Das Regionalflugzeug ATR 42

Ein Flugzeug für kurze Strecken und schwierige Bedingungen

ATR 42 - Air Dolomiti
ATR 42 - Air Dolomiti
Vor allem die hohe Effizienz auf kurzen Strecken und die sehr guten Leistungswerte unter schwierigen Bedingungen machen die ATR 42 zu einem beliebten Flugzeug.

Zusammen mit ihrem großen Bruder – der etwas längeren ATR 72 – gehört die ATR 42 seit nunmehr 15 Jahren zu den beliebtesten Flugzeugen auf Kurzstrecken: über 150 Fluggesellschaften in mehr als 80 Ländern setzen auf die Effizienz und die Leistungsfähigkeit gerade unter schwierigen Bedingungen. So findet man die ATR 42 auf Flugplätzen in der arabischen Wüste und in den südamerikanischen Hochebenen ebenso wie in der Kälte Nordskandinaviens. Und weil die Nachfrage ungebrochen ist, werden derzeit Testflüge einer neuen und modernen Version durchgeführt.

Die ATR 42 entstand aus einem mediterranen Joint Venture

Der Startschuss für das zweimotorige Kurzstreckenflugzeug fiel 1981, als sich der französische Konzern Aérospatiale und das italienische Unternehmen Aeritalia zur neu gegründeten „Aviona de Transport Régional“ (ATR) zusammenschlossen. Ziel dieser Liaison war die Entwicklung von leistungsstarken und effizienten Regionalflugzeugen, die auch unter schwierigen Bedingungen wie extremer Hitze und Kälte sowie kurzen Startbahnen im Gebirge problemlos betrieben werden können. Die Entwicklung in den Produktionsstätten bei Neapel und in Toulouse lief auf Hochtouren, so dass am 16.08.1984 schließlich die erste ATR 42 abheben konnte. Nach nur einem Jahr und zahlreichen Paxistests erhielt das Flugzeug im September 1985 die Verkehrszulassung und wurde noch im selben Jahr vom Erstkunden Air Littoral in Dienst gestellt.

Die Leistung der ATR 42 ist auf kurze Strecken optimiert

Die ATR 42 ist mit zwei leistungsstarken Pratt & Whitney Canada Turboprop-Triebwerken ausgestattet, die mit jeweils zwischen 1.470 und 1.760 kW für den Vortrieb sorgen. Der bei den ersten Versionen noch verwendete 4-Blatt Propeller wurde 1995 durch einen leiseren 6-Blatt Propeller mit elektronischer Regelung ersetzt. Hierdurch konnte nicht nur die Effizienz gesteigert, sondern auch der Geräuschpegel deutlich gemindert werden – ein auf kleineren Flugplätzen in unmittelbarer Stadtnähe auch für Außenstehende nicht zu unterschätzender Faktor.

Mit einer Reisegeschwindigkeit von etwa 550 km/h ist die ATR 42 deutlich langsamer als Regionaljets und ihre Reiseflughöhe von etwa 7.500 m streifen die meisten Flugzeuge nur auf dem Weg in größere Höhen. Doch das ist für die kurzen Strecken auch nicht notwendig. Die Stärken liegen vielmehr in der konstant hohen Leistung, was den Start auf kurzen Pisten und einen Betrieb in großen Höhen ermöglicht. Aufgrund der geringeren Luftdichte mit zunehmender Höhe oder bei sehr hohen Temperaturen stoßen vor allem Jet-Triebwerke aufgrund des geringeren Luftdurchsatzes hier oft an ihre Grenzen.

In 15 Jahren wurden vier Versionen der ATR 42 gebaut

Die ATR 42-300 war die erste serienreife Produktionsreihe und wurde 1985 in Dienst gestellt. Ausschließlich als Testflugzeug dienten die wenigen ATR 42-200, die nicht in Serienproduktion gingen. Beide Versionen hatten ebenso wie die 1987 mit einem stärkeren Triebwerk vorgestellte ATR 320 noch einen 4-Blatt Propeller. Ein großer Entwicklungsschritt nach vorne war die ATR 42-500, die seit Oktober 1995 ausgeliefert wird. Eine verbesserte komfortablere Kabine, ein höheres Abfluggewicht, das stärkere Triebwerk und der leise 6-Blatt Propeller waren neben einer höheren Reisegeschwindigkeit und einer größeren Reichweite die markantesten Änderungen. Zudem war diese Variante erstmals für den Anflug bei schlechten Wetterbedingungen (CAT II) zugelassen. Auf Basis der 300er Serie wurden zudem eine Frachtversion (ATR 42-300QC) und eine Seeraumüberwachungsvariante (ATR 42 Surveyor) entwickelt.

Am 1. Oktober 2009 stellte ATR die neueste Version ATR 42-600 vor, die voraussichtlich 2011 ausgeliefert werden soll. Zahlreiche Verbesserungen umfassen unter anderem ein modernes Cockpit mit LCD-Displays, mehr Kabinenkomfort und eine abermals gesteigerte Leistung. Der Erstflug dieser Variante ist für das zweite Halbjahr 2010 geplant. Laut Hersteller sind bereits 54 Vorbestellungen eingegangen.

Umwelt- und passagierfreundlich soll die ATR 42 sein

In der Kabine der ATR 42 finden je nach Ausführung zwischen 46 und 50 Passagiere Platz, um die sich ein Flugbegleiter oder eine Flugbegleiterin kümmert. Seit der 500er Version wurde ein aktives Geräuschunterdrückungssystem installiert, das den Geräuschpegel deutlich senkt. Dies wird unterstützt von einem Dämpfungssystem zwischen Zelle und Kabine, das Vibrationen vor allem während des Startlaufs und Steigfluges minimieren soll.

Besonderen Wert legt auch ATR auf die Umweltverträglichkeit des Flugzeuges: Neben den leisen Propellern verweist der Hersteller auf eine um etwa 20% geringere CO2-Emission als moderne Kurzstreckenjets. Hinzu kommt - dank sparsamer Triebwerke - ein recht geringer Verbrauch, der als erwünschter Nebeneffekt die Effizienz und Wirtschaftlichkeit erhöht.

Einige technische Daten

  • Länge: 22,67 m
  • Kabinenhöhe: 1,91 m
  • Reichweite: 1.550 km bei voller Beladung
  • Reisegeschwindigkeit: 556 km/h
  • Sitzplätze: 46-50
  • Max. Startgewicht: 18.600 kg
  • Kabinenbesatzung: 1
  • Reiseflughöhe: 7.000 m
Henrik Lührs, H. Lührs

Henrik Lührs - Jahrgang 1979. Nach dem Abitur 1998 Ausbildung zum Verkehrspiloten, seit 2002 Theorielehrer für verschiedene Fächer der Privat- ...

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